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Erdgas + LNG
LNG-Markt: Große Volatilität

Erdgas und LNG Analyse

06.11.2026

Aktuelle LNG-Marktsituation

Der asiatische LNG-Markt zeigt derzeit eine deutlich schwächere Nachfrage. Besonders deutlich fällt der Rückgang in China aus, wo die Importe um ca. 25 % sinken sollen. Damit nimmt kurzfristig der Wettbewerb Europas mit asiatischen Käufern um verfügbare LNG-Ladungen ab. Parallel zeigte sich auch der asiatische LNG-Markt preislich etwas schwächer. Der JKM-Front-Month gab im Wochenvergleich nach, notiert jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau und bleibt gegenüber dem europäischen Gasmarkt mit einem deutlichen Preisaufschlag bewertet.

Am europäischen Gasmarkt setzte nach dem starken Preisrückgang eine Gegenbewegung ein. Der TTF-Monatskontrakt stieg auf 89,40 EUR/MWh und lag damit 1,7 % höher. Der Jahreskontrakt zog um 2,5 % auf 70,50 EUR/MWh an. Zuvor war der Spotpreis auf 85,75 EUR/MWh gefallen und hatte gegenüber dem vorherigen Schlusskurs rund 8,1 % verloren. Die Preisentwicklung zeigt damit weiterhin eine hohe kurzfristige Volatilität.

Einflussfaktoren

Die geringere asiatische LNG-Nachfrage wirkt grundsätzlich entlastend für Europa. Nach Angaben der IEA ist der weltweite Gasverbrauch infolge hoher Preise zurückgegangen. In Asien wurde die Nachfrage zusätzlich durch einen stärkeren Einsatz von Kohle im Stromsektor sowie einen schwächeren industriellen Gasverbrauch, unter anderem in der Düngemittelproduktion, gedämpft. Dadurch könnten mehr LNG-Mengen für andere Absatzmärkte verfügbar bleiben.

Dem steht weiterhin ein erhebliches geopolitisches Angebotsrisiko gegenüber. Der Krieg gegen den Iran hat Öl- und LNG-Exporte aus dem Golf beeinträchtigt. Wesentliche Änderungen der US-Politik gegenüber dem Iran werden nach den Zwischenwahlen derzeit nicht erwartet, sodass dieses Risiko bestehen bleibt.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht kurzfristig durch den Produktionsstopp auf der norwegischen Visund-Plattform nach einem Brand. Ein Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Produktion ist bislang nicht bekannt. Für den europäischen LNG-Markt ist dies relevant, da Einschränkungen bei norwegischen Pipelineflüssen den Bedarf an alternativen Gasquellen und damit potenziell an LNG erhöhen können. Gleichzeitig liegt der deutsche Speicherfüllstand mit rund 62 % auf einem sehr niedrigen Niveau, wodurch der Versorgungspuffer für den Winter begrenzt bleibt.

Kurzer Ausblick

Kurzfristig dürfte der europäische LNG- und Gasmarkt volatil bleiben. Die deutlich schwächere asiatische Nachfrage reduziert aktuell den internationalen Wettbewerb um LNG und wirkt damit entlastend für Europa. Gleichzeitig begrenzen geopolitische Risiken im Nahen Osten, die Unsicherheit über die Visund-Produktion und niedrige Speicherstände das Abwärtspotenzial.

In den kommenden Tagen sprechen milde Temperaturen und eine hohe Windstromproduktion zunächst für einen gedämpften Gasbedarf. Danach werden die Temperaturprognosen unsicherer. Damit dürfte das Wetter zunehmend darüber entscheiden, ob die derzeit bessere LNG-Verfügbarkeit ausreicht, um den europäischen Markt weiter zu entspannen, oder ob steigender Heizbedarf und mögliche Angebotsstörungen erneut stärkeren Preisdruck auslösen.

Erdgas TTF Cal 27
Erdgas-Speicher-Volumen EU