Erdgas und LNG Analyse
Hormus-Risiken und steigende asiatische Nachfrage verschärfen den Wettbewerb um verfügbare LNG-Mengen
Aktuelle LNG-Marktsituation
Der europäische Gasmarkt bleibt stark von der angespannten globalen LNG-Versorgung geprägt. Der TTF-Novemberkontrakt stieg zuletzt auf 89,40 EUR/MWh und damit um rund 2 %, nachdem er im Tagesverlauf bis 91,34 EUR/MWh gestiegen war. Auch der Spotpreis lag mit 88,45 EUR/MWh auf hohem Niveau. Der Jahreskontrakt notierte bei 73,50 EUR/MWh und rund 1 % höher.
Im Mittelpunkt stehen weiterhin mögliche LNG-Lieferausfälle aus dem Nahen Osten. Die anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus begrenzen einen wichtigen Transportweg, über den vor Ausbruch des Konflikts rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels abgewickelt wurde. Aussagen aus Katar deuten darauf hin, dass die Einschränkungen länger anhalten könnten. QatarEnergy reagiert zugleich auf Störungen der eigenen Versorgung und sicherte sich über zwei langfristige Verträge jährlich 4 Mio. Tonnen beziehungsweise 5,4 Mrd. Kubikmeter LNG aus den USA.
Einflussfaktoren
Zusätzlichen Preisdruck erzeugt die steigende asiatische LNG-Nachfrage. Der JKM-Frontmonat (Japan-Korean-Maker) erreichte mit 91,30 EUR/MWh den höchsten Stand seit Dez. 2022. Die asiatischen LNG-Importe sollen gegenüber der Vorwoche um rund 6 % steigen. Besonders deutlich fällt der Anstieg in China mit rund 37 % auf 2,1 Mrd. Kubikmeter und in Japan mit rund 21 % auf 1,4 Mrd. Kubikmeter aus.
Für Europa erhöht dies dennoch den Wettbewerb um verfügbare LNG-Ladungen. Gleichzeitig sind die EU-Gasspeicher mit knapp 75 % rund acht Prozentpunkte niedriger gefüllt als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Damit bleibt Europas Bedarf an zusätzlichen Importen hoch. Neben den fundamentalen Risiken verstärken technische Faktoren und eine hohe Nervosität am Markt die Preisbewegungen.
Kurzer Ausblick
Die LNG- und Gaspreise dürften kurzfristig auf hohem Niveau bleiben. Solange die Risiken rund um die Straße von Hormus bestehen und gleichzeitig asiatische Käufer zusätzliche Mengen aufnehmen, bleibt der Wettbewerb um LNG angespannt. Der vergleichsweise niedrige europäische Speicherstand begrenzt zusätzlich das Abwärtspotenzial. Gleichzeitig wird die aktuelle Preisbildung stark von geopolitischer Unsicherheit, Marktpsychologie und kurzfristigen Absicherungsbewegungen geprägt.