Der wilde Westen der Energiewirtschaft
Aktuelle Marktsituation
Der europäische CO₂-Markt zeigte sich in der vergangenen Woche insgesamt robust, verlor am gestrigen Handelstag jedoch leicht an Boden. Der Dezember-2026-EUA-Kontrakt schloss bei 80,89 EUR/t und damit 0,50 EUR/t beziehungsweise 0,62 % unter dem Vortag. Im Tagesverlauf bewegte sich der Kontrakt zwischen 80,75 und 82,02 EUR/t. Nachdem die Preise zeitweise erneut über 82 EUR/t gestiegen waren, agieren Marktteilnehmer vor der für den 17. Juli erwarteten ETS-Reform vorsichtiger.
Daten, Trends, Einordnung
Die jüngste Aufwärtsbewegung wurde offenbar weniger durch spekulative Käufe als durch eine solide Nachfrage der verpflichteten Unternehmen getragen. Investmentfonds reduzierten laut aktuellem CoT-Bericht ihre Netto-Longposition, obwohl sich die EUA-Preise festigten. Gleichzeitig wurden die Primärmarktauktionen weiterhin mit einem Aufschlag gegenüber dem Sekundärmarkt abgeschlossen, was auf eine stabile physische Nachfrage hindeutet.
Unterstützend wirkt zudem das geringere Auktionsangebot nach dem Ende der temporären RePowerEU-Verkäufe. Die wöchentlichen EU-Auktionen umfassen derzeit nur noch etwas mehr als 2,2 Mio. Zertifikate. Auch höhere Gas- und Strompreise stützen den CO₂-Markt.
Im Mittelpunkt steht jedoch die geplante ETS-Reform. Diskutiert werden ein niedrigerer linearer Reduktionsfaktor, die Nutzung von CO₂-Entnahmen und internationalen Gutschriften sowie eine geringere Aufnahmequote der Marktstabilitätsreserve. Diese Maßnahmen könnten das Zertifikateangebot langfristig erhöhen.
Ausblick
Bis zur Vorstellung der Reform dürfte der Markt volatil bleiben. Kurzfristig bilden 80 EUR/t eine wichtige Unterstützung und der Bereich um 82 EUR/t den zentralen Widerstand.