Der wilde Westen der Energiewirtschaft
CO₂mpass – alles zum CO₂-Handel
Aktuelle Marktsituation
Der CO₂-Markt ist in dieser Woche unter Druck geraten. Der EUA-Preis fiel unter die Marke von 80 EUR/t und lag am 8. Juli bei 78,93 EUR/t. Das waren 1,26 EUR/t beziehungsweise 1,58 % weniger als zuvor. Auslöser waren vor allem neue Pläne der EU-Kommission, die Industrie bei den Kosten im EU-Emissionshandel zu entlasten. Nach der Ankündigung fiel der wichtigste EUA-Kontrakt (EUA Dez. 26) zeitweise um rund 2 %, da Händler mit mehr verfügbaren Zertifikaten in den kommenden Jahren rechnen.
Daten, Trends, Einordnung
Die EU-Kommission will der Industrie zwischen 2026 und 2030 zusätzliche kostenlose CO₂-Zertifikate im Wert von rund 6 Mrd. EUR zur Verfügung stellen. Außerdem sollen 400 Mio. Zertifikate aus dem geplanten „Investment Booster“ direkt an Unternehmen vergeben und nicht versteigert werden. Das könnte kurzfristig das Angebot am Markt erhöhen und wirkt deshalb preisdämpfend.
Auch nach 2030 prüft Brüssel mögliche Anpassungen: Die Emissionsobergrenze könnte langsamer sinken, und kostenlose Zuteilungen für Branchen, die unter den CO₂-Grenzausgleich CBAM fallen, könnten länger auslaufen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken, ohne die langfristigen Klimaziele aufzugeben.
Der aktuelle ICE-Endex-Report zeigt gleichzeitig, dass Marktteilnehmer vorsichtiger werden. Das Open Interest sank um rund 4,6 %. Investmentfonds bleiben zwar netto-long, haben ihre Positionen aber reduziert. Banken und Investmentfirmen bleiben deutlich netto-short, während Unternehmen und regulierte Betreiber weiter netto-long positioniert sind.
Die längerfristigen Fundamentaldaten bleiben jedoch unterstützend. In Deutschland sanken die Emissionen von Strom- und Industrieanlagen im EU ETS 2025 um 3,2 %. Zudem schrumpft der Überschuss an Zertifikaten weiter. Das spricht langfristig eher für einen engeren Markt.
Kurzer Ausblick
Kurzfristig dürfte der EUA-Markt vorsichtig bleiben. Die neuen EU-Pläne belasten die Preise, weil sie mehr Zertifikate verfügbar machen könnten. Langfristig bleibt die sinkende Menge an überschüssigen Zertifikaten aber ein wichtiger stützender Faktor.