Der wilde Westen der Energiewirtschaft
Aktuelle Marktsituation
Der europäische CO₂-Markt hat in der vergangenen Woche nachgegeben. Der Dezember-2026-EUA-Kontrakt fiel wieder unter die Marke von 80 EUR/t und testete dabei seinen 200-Tage-Durchschnitt. Zuletzt notierte der Kontrakt am 1. Juli um 15:47 Uhr bei 79,79 EUR/t und lag damit 0,37 EUR/t beziehungsweise 0,47 % unter dem Vortageswert von 80,16 EUR/t. Im Tagesverlauf bewegte sich der Markt zwischen 79,37 EUR/t und 80,14 EUR/t. Damit bleibt die Zone um 80 EUR/t kurzfristig der zentrale Orientierungspunkt, während die jüngste Abschwächung auf eine vorsichtigere Marktstimmung hindeutet.
Daten, Trends, Einordnung
Trotz der schwächeren Preisentwicklung bleibt die spekulative Positionierung deutlich konstruktiv. Investmentfonds bauten ihre Netto-Longposition laut aktuellem CoT-Bericht auf rund 62 Mio. t aus. Das entspricht einem Anstieg um 3,3 Mio. t gegenüber der Vorwoche und dem höchsten Stand seit dem 27. Februar. Die gesamten Longpositionen stiegen auf 78,9 Mio. t, während die Shortpositionen auf 16,8 Mio. t zurückgingen und damit auf dem tiefsten Niveau seit dreieinhalb Jahren liegen.
Der Aufbau spekulativer Longpositionen signalisiert wachsendes Vertrauen vor der anstehenden Überprüfung des EU-Emissionshandelssystems durch die Europäische Kommission am 15. Juli. Gleichzeitig erhöht die größere spekulative Exponierung das Risiko stärkerer Preisschwankungen, falls politische Erwartungen enttäuscht werden.
Politisch rückte ein Treffen von zwölf Mitgliedstaaten unter Führung Polens in den Fokus. Diskutiert wurden mögliche Änderungen an der Marktstabilitätsreserve, eine Ausweitung des Modernisierungsfonds, Anpassungen bei Benchmarks für kostenlose Zuteilungen sowie Polens erneuter Vorstoß, ETS2 über den derzeit vorgesehenen Start 2028 hinaus zu verschieben.
Kurzer Ausblick
In den kommenden Wochen dürfte der Vorschlag der Kommission zum zentralen Preistreiber werden. Solange der Markt die Marke von 80 EUR/t nicht nachhaltig zurückerobert, bleibt die technische Lage anfällig. Gleichzeitig könnten konkrete Reformsignale zum EU ETS rasch neue Impulse setzen.