Der wilde Westen der Energiewirtschaft
Aktuelle Marktsituation
Der europäische CO₂-Markt ist in der vergangenen Woche weiter gestiegen. Der EUA-Kontrakt für Dezember 2026 lag klar über der Marke von 80 EUR/t. Am Freitag schloss er bei 80,58 EUR/t. Das war rund 4 % höher als eine Woche zuvor. Am Dienstag stieg der Preis kurzzeitig sogar auf 82,28 EUR/t. Das war der höchste Stand seit vier Monaten. Ein Grund dafür war die Ankündigung der Europäischen Kommission, im Sommer weniger Zertifikate zu versteigern.
Daten, Trends, Einordnung
Viele Finanzinvestoren setzen derzeit auf weiter steigende CO₂-Preise. Laut ICE-Daten haben Investmentfonds ihre Netto-Longpositionen deutlich ausgebaut. Sie lagen zuletzt bei 58,8 Mio. t. Das sind 13,9 Mio. t mehr als in der Vorwoche. Die Longpositionen stiegen auf gut 76,2 Mio. t. Gleichzeitig gingen die Shortpositionen auf 17,5 Mio. t zurück. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember 2022. Insgesamt sind Investoren damit stärker im Markt engagiert als zuvor.
Unterstützung kam auch von der Hitzewelle in Europa. Hohe Temperaturen können die Stromnachfrage erhöhen und damit auch die Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten beeinflussen. Gleichzeitig sorgten politische Entspannungssignale für bessere Stimmung. Der starke Aufbau von Kaufpositionen kann den Markt aber auch anfälliger machen. Wenn sich die Stimmung ändert, könnten Preise schneller wieder fallen.
Kurzer Ausblick
In den nächsten Wochen schaut der Markt vor allem auf die EU-ETS-Überprüfung im Juli. Wichtig wird sein, welche Folgen sie für Angebot und Nachfrage hat. Solange der Preis über 80 EUR/t bleibt, wirkt der Markt stabil. Größere Rücksetzer bleiben aber möglich.