Der wilde Westen der Energiewirtschaft
Aktuelle Marktsituation
Der europäische CO₂-Markt zeigte sich in der vergangenen Woche robust. Der EUA-Future Dezember 2026 bewegte sich weiter um die Marke von 80 EUR/t und schloss zuletzt nahezu unverändert bei 79,79 EUR/t. Trotz rückläufiger Gaspreise blieb der CO₂-Preis gut unterstützt. Der Markt hat nach den deutlichen Zugewinnen der vergangenen Wochen in eine ausgewogenere Phase gewechselt. Teilnehmer bewerten derzeit vor allem die politischen Signale zur künftigen kostenlosen Zuteilung und deren Folgen für Angebot und Nachfrage.
Daten, Trends und Einordnung
Belastend wirkt die erwartete Aktualisierung der Benchmarks für kostenlose CO₂-Zertifikate an die Industrie bis 2030. Analysten rechnen damit, dass die neuen Leitwerte das ETS-Angebot um rund 22 Mio. t erhöhen könnten. Zusätzlich könnten sektorspezifische Spezialzuteilungen weitere 20–25 Mio. t in den Markt bringen. Das würde die Bilanzen in den Jahren 2026 bis 2029 leicht entspannen und tendenziell preisdämpfend wirken. Kurzfristig scheint ein Teil dieser Entwicklung jedoch bereits eingepreist zu sein.
Der Energiekomplex lieferte zuletzt weniger Unterstützung: Gaspreise gaben weiter nach, da geopolitische Risikoprämien rund um mögliche Störungen in der Straße von Hormus abgebaut wurden. Dennoch richtete sich der Fokus bei EUAs zunehmend auf langfristige ETS-Politik statt auf kurzfristige Brennstoffpreise.
Kurzer Ausblick
In den kommenden Tagen dürften die ETS-Überprüfung im Juli und der bevorstehende Quartalsverfall der Optionen im Mittelpunkt stehen. Trotz ausgewogener Positionierung rund um aktuelle Preisniveaus bleibt erhöhte Volatilität möglich.