Der wilde Westen der Energiewirtschaft
Aktuelle Marktsituation
Der EU-Emissionshandel hat seine positive Dynamik in dieser Woche fortgesetzt. EUAs verließen die seit mehreren Wochen bestehende Handelsspanne deutlich und stiegen zeitweise bis auf 79,76 EUR/t. Der Dezember-2026-Kontrakt notierte am gestrigen Liefertag bei 78,74 EUR/t und lag damit 0,70 EUR/t beziehungsweise 0,89 % über dem Vortagesschluss. Damit rückte die psychologisch wichtige Marke von 80 EUR/t wieder in greifbare Nähe. Auch technisch hat sich das Bild aufgehellt: Der Markt überschritt sowohl frühere Widerstände als auch den 200-Tage-Durchschnitt.
Daten, Trends, Einordnung
Unterstützung kam vor allem von milderen Fundamentaldaten und einer verbesserten Marktstimmung. Positive Signale aus den Verhandlungen zwischen den USA und Iran reduzierten die Sorge vor geopolitischen Belastungen und stützten die Risikobereitschaft. Gleichzeitig blieben Rücksetzer bislang kurzlebig, da Kaufinteresse rasch wieder einsetzte.
Die Positionierung der Investmentfonds zeigt eine weiterhin konstruktive, aber nicht überhitzte Marktlage. Die Netto-Longposition stieg auf knapp 39 Mio. t, ein Plus von 0,4 Mio. t binnen einer Woche. Insgesamt beliefen sich die EUA-Positionen auf 85,1 Mio. t und blieben damit weiterhin unter der Marke von 100 Mio. t. Longpositionen legten um 0,8 Mio. t auf 62,1 Mio. t zu, während Shortpositionen mit 23,1 Mio. t nur leicht zunahmen.
Ausblick
Kurzfristig spricht der Ausbruch aus der bisherigen Handelsspanne für ein freundlicheres Marktbild. Gleichzeitig könnten steigende Auktionsvolumina ab Juni sowie die im Juli erwartete EU-ETS-Reformankündigung das weitere Aufwärtspotenzial begrenzen. Die Marke von 80 EUR/t bleibt der zentrale Widerstand.