CO2 Handel - der wilde Westen der Energiewirtschaft
Der europäische CO₂-Markt zeigte sich in der vergangenen Woche volatil. Auslöser waren vor allem die deutlich gestiegenen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Besonders am europäischen Gasmarkt waren die Auswirkungen spürbar, da die Energiepreise deutlich anzogen.
Vor diesem Hintergrund hielt sich der CO₂-Markt zunächst vergleichsweise stabil. Die EUA-Futures mit Lieferung im Dezember 2026 fanden zunächst Unterstützung im Bereich von rund 70 EUR pro Tonne.
Mit anhaltend hohen Gaspreisen und zunehmender Unsicherheit über die Energieversorgung änderte sich das Bild jedoch. Käufer traten verstärkt in den Markt ein und nahmen verfügbare Verkaufsangebote auf. In der Folge stieg der Preis für den Dezember-2026-Kontrakt zeitweise auf 74,84 EUR.
Der Preisanstieg hängt vor allem mit den Entwicklungen am Gasmarkt zusammen. Wird Gas sehr teuer, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Strom aus CO₂-intensiveren Kohlekraftwerken erzeugt wird. Dadurch erhöht sich automatisch die Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten.
Gleichzeitig bleibt die Spekulationsbereitschaft der Finanzinvestoren derzeit begrenzt. Das zeigen aktuelle Börsendaten: Investmentfonds haben ihre Netto-Longposition in europäischen Emissionszertifikaten bereits die sechste Woche in Folge reduziert. Die Netto-Longposition lag zuletzt bei 63,3 Mio. Tonnen und damit deutlich unter dem Niveau zu Jahresbeginn.
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass viele spekulative Marktteilnehmer derzeit vorsichtiger agieren und Risiken im Markt reduzieren.