CO2 Handel - der wilde Westen der Energiewirtschaft
Der CO₂-Markt befindet sich zu Jahresbeginn 2026 klar in einer bullischen Phase. Der nachhaltige Ausbruch der EUAs über 90 EUR/t ist technisch wie fundamental bedeutsam und signalisiert eine neue Preiszone. Besonders bemerkenswert ist die Fähigkeit des Marktes, das wieder volle Auktionsvolumen ohne Preisdruck zu absorbieren – ein klares Zeichen für robuste Nachfrage und hohe Liquidität auf der Käuferseite.
Fundamental wird der Aufwärtstrend aktuell durch mehrere Faktoren gleichzeitig gestützt: eine ausgeprägte Kälteperiode mit entsprechend höherem Brennstoff- und Stromverbrauch, stark fallende Gasspeicherstände sowie die strukturelle Angebotsverknappung im EU-ETS ab 2026. Diese Kombination verleiht dem gesamten Energiekomplex einen klar positiven Bias.
Gleichzeitig nimmt jedoch das asymmetrische Risiko zu. Die extrem hohe Netto-Long-Positionierung der Finanzinvestoren macht den Markt anfälliger für schnelle Korrekturen, sollte es zu einer Entspannung bei Wetter, Geopolitik oder Energiepreisen kommen. Kurzfristig bleibt das Momentum zwar klar aufwärtsgerichtet, mittelfristig steigt jedoch die Bedeutung von Volatilität und taktischem Risikomanagement.
In Summe bleibt CO₂ strukturell gut unterstützt, das aktuelle Preisniveau setzt jedoch eine anhaltend feste Energie- und Wetterlage voraus. Rücksetzer dürften vor diesem Hintergrund eher als technische Konsolidierungen denn als Trendwende zu werten sein.