Erdgas und LNG Analyse
Geopolitische Risiken, niedrige Speicherstände und zunehmender LNG-Wettbewerb stützen den Markt
Aktuelle Marktsituation
Die europäischen Gaspreise bleiben zum Wochenauftakt fest. Der TTF-Frontmonat stieg zuletzt auf 89,25 EUR/MWh und hatte zwischenzeitlich mit 90,50 EUR/MWh den höchsten Stand seit Dezember 2022 erreicht. Der Day-Ahead notierte bei 89,71 EUR/MWh. Auch das Cal-27 bleibt auf erhöhtem Niveau und stand zuletzt bei 71,80 EUR/MWh, rund 1,18 % über dem Vergleichswert von 70,96 EUR/MWh. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Frontmonat um 7,5 % und das Cal-27 um 8,9 % zugelegt.
Haupttreiber bleibt die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten. Weitere Angriffe auf LNG-Tanker und die schwindende Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus erhöhen die Unsicherheit über die globale LNG-Versorgung. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb mit asiatischen Käufern zu. Der asiatische LNG-Preis erreichte den höchsten Stand seit fast vier Jahren, während ein Großteil der preissensiblen asiatischen Nachfrage bereits aus dem Markt gedrängt wurde. Zusätzliche Spotkäufe aus China, Korea und Südasien begrenzen damit den Puffer für eine weitere Nachfragereduktion.
Zusätzlichen Preisdruck erzeugt die Speicherlage. Die EU-Speicher sind nur zu rund 75 % gefüllt und liegen damit für diese Jahreszeit auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen. In Deutschland beträgt der Füllstand lediglich 61 % und liegt rund 14 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig belasten ungeplante Ausfälle die norwegischen Pipelineflüsse. Zum Jahreswechsel kommt mit dem vollständigen EU-Importverbot für russisches LNG ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu.
Kurzer Ausblick
Der Markt bleibt kurzfristig gut unterstützt. Steigende LNG-Importe und etwas mildere Temperaturprognosen können zwischenzeitlich für Rücksetzer sorgen, ändern jedoch zunächst wenig am übergeordneten Aufwärtstrend. Die niedrigen Speicherstände, eingeschränkte Pipelineflüsse, der zunehmende Wettbewerb mit Asien und die geopolitischen Risiken im Nahen Osten sprechen weiterhin für ein erhöhtes Preisniveau. Bei einer weiteren Eskalation oder einem kalten Winter bleibt auch ein Anstieg in Richtung 100 EUR/MWh möglich.