Erdgas und LNG Analyse
Kühlere Temperaturen, niedrige Speicherstände und globale LNG-Engpässe halten den europäischen Gasmarkt unter Druck.
Aktuelle Marktsituation
Die europäischen Gaspreise sind zum Wochenauftakt deutlich gestiegen. Der TTF-Monatskontrakt notierte zuletzt bei 84,18 EUR/MWh und damit rund 3 % höher, während der Spotpreis mit 84,75 EUR/MWh rund 4 % zulegte. Auch der TTF Cal 27 gewann rund 2 % auf 66,44 EUR/MWh. Nach einer dynamischen Aufwärtsbewegung bis knapp 66,90 EUR/MWh setzte eine leichte technische Gegenbewegung ein, ohne den kurzfristigen Aufwärtstrend infrage zu stellen.
Unterstützt wird der Markt durch geopolitische Risiken, kühlere Wetterprognosen und die angespannte Versorgungslage. Für die kommende Woche werden Temperaturen von 1,6 Grad unter der Norm erwartet. Gleichzeitig lagen die norwegischen Gasflüsse etwas hinter der Nominierung. Die Speicherstände bleiben mit 74 % in der EU, 60 % in Deutschland und 69 % in Österreich niedrig.
Besonders kritisch entwickelt sich die Speicherperspektive. Marktprognosen erwarten für Anfang November EU-weite Füllstände von lediglich 75 bis 78 %, rund zehn Prozentpunkte unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Bei einem durchschnittlichen Winter könnten die Speicher in Nordwesteuropa bis Anfang April auf etwa 20 % sinken. Bei einem kalten Winter werden sogar Restfüllstände von 10 bis 15 % für möglich gehalten. Damit wächst das Risiko, dass Europa auch im Sommer 2027 erhebliche zusätzliche Gasmengen zur Wiederbefüllung beschaffen muss.
Auch die LNG-Versorgung bleibt angespannt. Die europäischen LNG-Importe lagen zuletzt bei rund 2,5 bcm pro Woche und dürften kurzfristig stabil bleiben. Im bisherigen Oktober übertrafen die Einfuhren den vergleichbaren Septemberzeitraum um 19 %. Obwohl die aktuelle Preisrelation zusätzliche US-LNG-Lieferungen nach Europa begünstigt, bleibt der Wettbewerb um verfügbare Mengen hoch.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch Hurrikan Isaias im Golf von Mexiko. Die wetterbedingte Stilllegung von Teilen der US-Öl- und Gasförderung erhöht die kurzfristigen Angebotsrisiken. Direkte Auswirkungen auf die US-LNG-Exporte sind bislang nicht bestätigt, mögliche Einschränkungen bleiben jedoch ein Risikofaktor.
Kurzer Ausblick
Kurzfristig bleibt die Marktlage angespannt. Kühlere Temperaturen, geringe Speicherreserven und geopolitische Angebotsrisiken stützen die Preise. Besonders die notwendige Wiederbefüllung der Speicher im Jahr 2027 könnte das erhöhte Preisniveau auch über den kommenden Winter hinaus verlängern. Marktanalysten halten bei zusätzlichen Versorgungsstörungen Preisspitzen über 100 EUR/MWh für möglich. Gleichzeitig könnten eine Entspannung im Nahen Osten und eine milde, windreiche Wintersaison gegenläufig wirken.
Beim TTF Cal 27 bleibt die Widerstandszone zwischen 66,50 und 66,90 EUR/MWh entscheidend. Nach dem kräftigen Anstieg ist eine technische Konsolidierung möglich. Fundamental überwiegen jedoch weiterhin die Aufwärtsrisiken, während eine nachhaltige Normalisierung des europäischen Gasmarktes erst mittelfristig erwartet wird.