Der wilde Westen der Energiewirtschaft
Aktuelle Marktsituation
Der europäische CO₂-Markt hat sich nach einem schwachen Wochenstart wieder erholt. Der Dezember-2026-EUA-Kontrakt schloss gestern bei 85,53 EUR/t und damit 0,88 % höher als am Vortag. Im Tagesverlauf lag die Handelsspanne zwischen 84,03 und 85,53 EUR/t.
Zum Wochenbeginn war der Preis noch bis auf 82,35 EUR/t gefallen. Das war der niedrigste Stand seit fast fünf Wochen. Danach setzte eine Gegenbewegung ein, die den Markt wieder in Richtung 85 EUR/t führte.
Daten, Trends, Einordnung
Die Positionierung der Investmentfonds bleibt eher vorsichtig. Laut aktuellem ICE-Endex-Bericht sanken ihre Longpositionen auf rund 62,1 Mio. EUA. Longpositionen sind Wetten auf steigende CO₂-Preise. Gleichzeitig stiegen die Shortpositionen auf rund 31,4 Mio. EUA. Mit Shortpositionen setzen Marktteilnehmer dagegen auf fallende Preise.
Aus der Differenz zwischen Long- und Shortpositionen ergibt sich die Netto-Longposition. Sie zeigt, wie stark die Fonds insgesamt auf steigende Preise ausgerichtet sind. Diese Netto-Longposition liegt aktuell bei rund 30,7 Mio. t CO₂ und damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Mai. Die Finanzmarktteilnehmer rechnen also weiterhin eher mit steigenden Preisen, sind dabei aber deutlich vorsichtiger geworden.
Trotzdem zeigte sich der Markt zuletzt wieder stabiler. Unterstützung kam unter anderem durch ein geringeres Zertifikateangebot aus Nordirland. Mit rund 85,5 EUR/t liegt der aktuelle Preis zudem nahe am Ein-Monats-Durchschnitt von 85,77 EUR/t.
Kurzer Ausblick
Kurzfristig bleibt der Bereich um 86 EUR/t wichtig. Gelingt ein Anstieg darüber, könnte sich die Erholung fortsetzen. Gleichzeitig zeigen die gestiegenen Shortpositionen, dass ein Teil des Marktes weiterhin mit fallenden Preisen rechnet.